Halle (Saale) Umland Rückwanderer

Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle, 3. Auflage (2008)

Volkhard Winkelmann und ehemaliges Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle

Vor vier Jahren erschien die 2. Auflage dieses Gedenkbuches auf der Homepage des Südstadt-Gymnasiums Halle (Saale). Oft wurde es gelesen und auch für intensive Benutzung kopiert. Es half Angehörigen zu neuer oder genaueren Erinnerung an ihre Toten und Gewissheit über deren Schicksal. Häufig erreichten uns von vielen Kontinenten Anfragen und Hinweise von Angehörigen und Freunden der Opfer oder der Familien, deren Biografie bisher in Halle gänzlich unbekannt war oder nur als Fragment vorlag. Anfragen von Archiven, besonders aber die von Genealogen aus Deutschland und den USA, regten zu neuem Durchdenken der Ergebnisse und weiteren Recherchen an.

Sehr dankbar ist der Verfasser für die Hilfe und das gemeinsame Suchen nach den Opfern des größten Transportes aus Halle in den Distrikt Lublin/Polen. Ohne die intensive Unterstützung durch den Historiker Marcus Gryglewski wäre das Geschehen durch uns nicht recherchierbar gewesen. Zahlreiche neue Erkenntnisse und Ergebnisse entstanden aus der vom Bundesarchiv Berlin erbetenen Zusammenarbeit anlässlich dessen Vorbereitungsarbeiten zum "Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 - 1945", Hg. Bundesarchiv, Koblenz 2006.
Die vereinbarte Übergabe unserer umfangreichen Forschungsergebnisse an das Bundesarchiv regte zur nochmaligen Überprüfung und Ergänzung der eigenen Recherchen an und ließ daraus Anregungen und neue Aufgaben für unser Gedenkbuch erwachsen. Ergänzt wurden sie durch die Einbeziehung von Gedenkbüchern über die Todestransporte deutscher Juden aus den von deutschen Truppen besetzten westeuropäischen Ländern, besonders jedoch durch die genaue Durchsicht der "Central Database of Shoah Victims' Names", Yad Vashem, The Holocaust Martyrs' and Heroes' Remembrance Authority, 2007.

Das gesamte Gedenkbuch wurde inhaltlich und teilweise auch stilistisch ergänzt und überarbeitet, damit jeder noch besser und unmissverständlich das Dargestellte interpretieren kann. Alle Details wurden erneut genau und möglichst umfassend überprüft. Das wurde stetig schwieriger und erforderte schließlich auch Kompromisse.

Diese Arbeit veränderte am deutlichsten den ersten Teil des Gedenkbuches. Zahlreiche jüdische Hallenser wechselten wie viele deutsche Juden oft ihren Wohnsitz. Meist erzwangen NS-Gesetze und die Angst vor einer Deportation diese Veränderungen, die vielfach gegen die jetzige Festsetzung eines einzigen Wohnsitzes zu sprechen scheinen. Hallesche Juden tauchten häufig wie andere in der trügerischen Sicherheit der Großstädte, hier besonders Berlin, unter. Sie wurden aber auch dort in die Todestransporte gezwängt.
In den westeuropäischen Ländern wurden deutsche jüdische Emigranten nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht von der NS-Verwaltung und ihr hörigen einheimischen offiziellen Diensten gejagt und in die KZ im Osten deportiert. Von ihnen blieben meistens nur die Unterlagen ihrer Transporteure - Karteikarten oder Listen in den Tod. Sie enthalten zwar Namen sowie Geburtsdaten der Deportierten, ihren Transport und dessen Ziel, jedoch nur den Geburtsort, der allein die Herkunft der Ermordeten bestimmt.
Um sie und ihre Namen vor dem Vergessen zu bewahren, nehmen wir sie deshalb in unser Gedenkbuch auf und übergeben ihre Namen den Gedenkbuchlesern. Mögen diese die fast Unbekannten, aber in Halle Geborenen, als Hallenser aufnehmen und Ergänzungen machen.
Auch die von Angehörigen einst der Halle der Namen in Yad Vashem schriftlich übermittelten Namenslisten der Toten sind nicht immer vollständig. Somit entschieden wir uns für die Aufnahme in unser Gedenkbuch, wenn eindeutig Halle als Halle/Saale oder Halle a. S. oder Halle, Anhalt, erkennbar und damit eindeutig von Halle/Westf(alen) unterscheidbar ist.

2003 bestanden alle Mitglieder der letzten Projektgruppe ihr Abitur. Danach zerstreuten sie sich infolge sehr unterschiedlicher Berufsvorstellungen in Deutschland und dem europäischen Ausland. Verschiedene Gründe widersprachen einer Neugründung des Projektes unter nunmehr völlig anderen Bedingungen. So setzt der ehemalige Leiter des Schülerprojektes "Juden in Halle" die Gedenkbucharbeit im Sinne des ehemaligen Projektes und unter dessen Namen in Halle/Saale allein fort. Für Hinweise und Anregungen ist er dankbar und verweist auf die Kontaktseite.

Er dankt Frau Hanna Singer, England, für die Übersetzung des Vorwortes. Hilfe und vielfache Unterstützung erhält er weiterhin durch Christina und Steffen in Bad Nauheim, Hessen. Ohne ihr Wissen und großes Können wäre auch die vorliegende neue Online-Präsentation nicht möglich gewesen und ihre weitere logistische Betreuung unmöglich. Dafür bedankt sich der Verfasser ausdrücklich.


Halle (Saale) und Bad Nauheim, Oktober 2008                                   Volkhard Winkelmann



Aus dem Vorwort zur 2. Auflage (2004)

Die erste Auflage war von 1994-1998 im Miteinander der ersten Gruppe des Schülerprojektes "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle (Saale) entstanden. Die Schülerinnen und der Leiter nahmen die Namen der getöteten oder in den Tod getriebenen Hallenser auf, die in den heutigen Grenzen der Stadt Halle gewohnt hatten. Damit bewahrten sie die Toten und ihre Namen vor dem Vergessen.

Gleichzeitig entwickelte sich ein reger und sehr fruchtbarer schriftlicher und mündlicher Austausch mit Überlebenden, Angehörigen der Opfer, Freunden und Bekannten in vielen Ländern. Er verstärkte deren Vertrauen zur positiven Entwicklung Halles. Viele hatten ihre ehemalige Heimatstadt während der beiden Begegnungswochen 1992 und 1998 besucht und dabei wieder die Verbindung zu ihrer Jugend geknüpft. Die neuen persönlichen Erkenntnisse hatten in der Projektgruppe Toleranz und den Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit und Unmenschlichkeit wachsen lassen.

Der weltweite Briefverkehr wurde seit 1999 von der neuen Schülerprojektgruppe fortgesetzt. Sie und ihr Leiter schlossen nunmehr in ihre Forschungen das Schicksal der badischen, pfälzischen und saarländischen Juden ein. Nachdem ihre nichtjüdischen Nachbarn seit dem Kriegsbeginn 1939 evakuiert worden waren, verließen auch viele Juden ihre Heimat. Zwischen dem 04.09.1939 und dem 20.02.1940 kamen 176 von ihnen als sogenannte "Rückwanderer" nach Halle. Ein Teil von ihnen durfte wieder in die Heimat zurückkehren. Im Herbst 1940 wurden sie jedoch dort zusammengetrieben und in das Camp Gurs/Südfrankreich und in andere Lager in Südfrankreich vertrieben und von dort später in die deutschen KZ im Osten deportiert. Die Namen der aus Halle deportierten Rückwanderer entriss unsere Arbeit dem endgültigen Vergessen und gibt sie nunmehr ihren Heimatgemeinden zurück.

Viele im halleschen Umland wohnende Juden wurden von der Gestapo oft unter Zwang nach Halle umgesiedelt und danach von hier deportiert. Andere brachte sie aus ihren Heimatorten im Umland über Halle nach Theresienstadt oder in die KZ. Auch diese Toten wurden nunmehr in die neue Auflage des Gedenkbuches aufgenommen.

Ein besonderer Dank gilt Christina und Steffen für die Online-Präsentation.


Halle (Saale), April 2004                                   Volkhard Winkelmann

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© Volkhard Winkelmann und ehemaliges Schülerprojekt "Juden in Halle" (1993-2003) des Südstadt-Gymnasiums Halle      © Online-Präsentation: Christina & Steffen P.
Letzte Aktualisierung: 09.02.2015 Anzahl der Datensätze: 434