Halle (Saale) Umland Rückwanderer

Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle

Gedenkbuch Halle


Datensatz drucken
Name: Geminder 
Bild zum Datensatz:
Yedidia (Dudie) Geminder

Kommentar:
Helene und Yedidia, Mielec 1940
© 2008 Irene Eber und Verlag
C.H. Beck oHG, München
Helene und Yedidia, Mielec 1940
© 2008 Irene Eber und Verlag
C.H. Beck oHG, München[9]
Vorname: Yedidia (Dudie) 
Geburtstag: 21.02.1891 
Geburtsort: Mielec[1] 
Privatadresse: Mühlweg 36[2] 
letzte Adresse: Debica, Polen[3] 
Beruf: Textilkaufmann: Wollwaren[4], Bernburger Str. 16[5] 
Verwandtschaft: Eltern:
Mindel, gestorben 1939 und Chaim Geminder, Gemischtwarengeschäft in Mielec[6]
Ehefrau:
Helene Geminder geb. Gänger, geboren am 16.05.1901
Leipzig-1972 USA, in Schindlers Liste Töchter: Lore Smith geb. Geminder geboren am 05.01.1923 in Halle, Ausweisung: Polen, in Schindlers Liste, Emigration: USA; Irene Eber geboren 1930 Halle; Professorin (em.) für Ostasiatische Studien an der Hebrew University in Jerusalem und Senior Fellow des Harry S. Truman Research Institute. Sie lebt und arbeitet in Jerusalem.
Schwestern:
Scheindel (Jenny) Padawer, deren Kinder Hella und Gerda, Feige Kurtz, ihr Mann Reuben Kurtz, deren Töchter Malka und Esther; alle Opfer der Shoa[7] 
weitere Lebensdaten: In der "Polenaktion" waren auch die polnisch-jüdischen Hallenser am 27./28.10.1938 verhaftet und in der Nacht des 29.10.1938[8] über die deutsch-polnische Grenze gejagt worden. Die Familie Geminder mit ihrer Verwandten Frieda wandte sich nach Mielec, Yedidias Geburtsort. Dort arbeitete er im Geschäft der Eltern bis zum Untergang des jüdischen Mielec. Am 09.03.1942 wurde es einschließlich der Geminder-Familie endgültig deportiert. Ihr Leidensweg führte durch mehrere polnische Orte bis nach Debica, wo sie auf den Transport in den Tod warten mussten. "Eines Tages hörte mein Vater auf zu singen. Ich weiß nicht mehr genau, war es kurz vor dem Ende-dem Tod und der Zerstörung des jüdischen Mielec- oder geschah es noch früher. Vater liebte Musik." [10] Während sich Püppe durch ihre Arbeit in einer Amtsstube der Deutschen vergeblich vor der kommenden Deportation retten wollte,[11] überlebten Yedidia, Helene und ihre Töchter, mit anderen in einem bedrohten Versteck eingemauert. Helene war danach als Schreibkraft des Judenrates vorerst gerettet.[12] Nach dem Deportationsabschluss begann der nächste, noch gefährlichere Überlebenskampf der anderen nun Illegalen. Yedidia wollte weiter seine Familie zusammenhalten, obwohl sie sich zur Rettung trennen mussten. "Er hatte uns immer gestützt, uns geholfen und uns den Glauben einzuflößen versucht, dass wir es irgendwie schaffen und dem Tod noch einmal entgehen würden. Nun, da er keinen Ausweg mehr sah, hatte er die Hoffnung aufgegeben und war hilflos."[13]
Im Oktober 1942 gab es in dem fast judenleeren Debica kaum noch eine Überlebenschance für die Illegalen. Deshalb schlichen sich Yedidia, seine Schwester Feige und deren Tochter Esther als Arbeiter in das ca. 30 km entfernte Arbeitslager Cyranka-Berdechow ein. Sie wurden auch durch Juden verraten und von der SS erschossen.[14]
Helene und Tochter Lore überlebten schließlich als "Schindler-Juden", Irene fast zwei Jahre lang im Hühnerstall ehemaliger polnischer nichtjüdischer Nachbarn in Mielec. 
Todesort: "Cyranka-Berdechow Forced Labour Camp" nahe Mielec (Polen) 
Todesdatum: Oktober 1942 [15] 
Quelle(n): [1] Eber, Irene (2007), S. 235
[2] HA 38
[3] YVD (01.03.2007) Irene Eber
[4] vgl. Anm. 2
[5] SAH, Jüdische Bürger bis 1990, Abt. IV, Nr. 3
[6] vgl. Anm. 1, S. 78
[7] ebd. S. 170
[8] Herschkowicz (20.11.1938)
[9] vgl. Anm. 1, S. 133, und G. H. Beck oHG (12.07.2008)
[10] ebd., S. 11
[11] vgl. ebd. S. 60
[12] vgl. ebd. S. 66
[13] ebd.
[14] ebd. S.172
[15] Smith, Lore USA: Brief v. 03.05.1999 
letztes Update: 31.10.2009 15:15:56 

Logo der Stadt Halle (Saale)
© Volkhard Winkelmann und ehemaliges Schülerprojekt "Juden in Halle" (1993-2003) des Südstadt-Gymnasiums Halle      © Online-Präsentation: Christina & Steffen P.
Letzte Aktualisierung: 09.02.2015 Anzahl der Datensätze: 434